German Refund Crew – Neue Begehungsform des Computerbetrugs

German Refund Crew – Neue Begehungsform des Computerbetrugs

Computerbetrug mit vermeintlichen Rücksendungen an Amazon, Zalando und andere Online-Händler

Die Gelegenheit schien vielen „Kunden“ offenbar verlockend. Sie kassierten mit Hilfe einer Telegram-Gruppe Erstattungen für bestellte Waren, die sie angeblich zurückgeschickt hatten, die aber nie bei den Versandhändlern ankamen. Während der Corona-Pandemie breitete sich so eine neue Begehungsform des Computerbetruges aus.

Zunächst gingen die Ermittlungsbehörden unter Federführung des BKA und der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg seit dem Oktober 2020 gegen die Betreiber der Telegram-Gruppe „German Refund Crew“ vor und führten in diesem Zusammenhang am 18. Mai 2021 sieben Hausdurchsuchungen in vier Bundesländern durch.

Nun sind auch ihre Kunden an der Reihe, denn sie mussten neben Name, Adresse, E-Mail-Adresse auch ihre Kreditkartendaten und den Telegram-Account angeben. Und selbstverständlich existiert jeweils auch eine Liste der von ihnen bestellten Waren. Alle diese Daten liegen nun der Polizei vor. Bundesweit ist mit Hunderten Ermittlungsverfahren zu rechnen.




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Was wird Betreibern und Kunden der German Refund Crew vorgeworfen?

Während der Corona-Pandemie werden aufgrund der Abstandsregeln Pakete von den Zustellern der Versanddienstleister nicht mehr gegen Unterschrift des Empfängers oder einer anderen berechtigen Person übergeben, sondern häufig einfach im oder vor dem Haus abgelegt. Damit ist ein eindeutiger Beweis für die korrekte Zustellung der Sendung nicht mehr gegeben.

Diesen Umstand nutzten die Betreiber der Gruppe „German Refund Crew“ bei dem Messengerdienst Telegram für ein neues „Geschäftsmodell“ aus: Gegen Zahlung von 23 bis 27 Prozent des Warenwertes per PayPal oder in Kryptowährungen wie Bitcoin schulten sie Nutzer ihrer Telegram-Gruppe darin, wie diese Erstattungen für angeblich zurückgeschickte Waren erhalten konnten, die sie zuvor bei Versandhändlern bestellt hatten, und waren ihnen bei der Abwicklung behilflich.

Die Kunden bestellten also bei Amazon, Zalando & Co. ein Produkt ihrer Wahl, leiteten nach Erhalt scheinbar eine Rücksendung ein, sandten die Ware aber gar nicht zurück, sondern kassierten den erstatteten Betrag und behielten gleichzeitig das bestellte Produkt. Das Vorgehen war im Detail unterschiedlich, wird aber bisher nicht öffentlich gemacht, um kein Täterwissen zu offenbaren und auch um eine Nachahmung dieser Form des Betruges zu verhindern.

Laut Medienberichten gingen die betroffenen Versandhändler aus verschiedenen Gründen kaum gegen diese Masche vor. Deshalb gibt es auch keine eindeutigen Zahlen zum Umfang des Schadens. Das Bundeskriminalamt geht insgesamt von über einer halben Million Euro durch über 600 Taten aus. Der Umfang dürfte noch verhältnismäßig gering sein, weil die German Refund Crew offenbar recht schnell ins Visier der Polizei geriet und ihre Telegram-Gruppe bereits im Oktober 2020 geschlossen wurde.

Die Ermittlungsbehörden werten das Verhalten der Betreiber und Nutzer der German Refund Crew als Computerbetrug gemäß § 263a des Strafgesetzbuches (StGB) bzw. Datenhehlerei gemäß § 202d StGB.




Welche Strafe drohen für Computerbetrug mittels der German Refund Crew?

Durch die Software der Firma Multiway Technic & Trading GmbH konnten die Registrierkassen der Restaurants so manipuliert werden, dass ein Teil der Umsätze nachträglich gelöscht werden konnte, fast ohne Spuren im Kassensystem zu hinterlassen. Für die Art und Weise der Manipulation gab es mehrere Optionen, zwischen denen die Gastronomen wählen konnten. In jedem Fall waren die Einnahmen am Ende geringer und entsprechend reduzierte sich die Steuerschuld. Deshalb wird den Gastronomen Steuerhinterziehung nach § 370 der Abgabenordnung (AO) und Fälschung technischer Aufzeichnungen nach § 268 des Strafgesetzbuches (StGB) vorgeworfen.




Wie sollte ich mich verhalten, wenn wegen Computerbetruges im Zusammenhang mit der „German Refund Crew“ gegen mich ermittelt wird?

Wie in solchen Verfahren üblich, stehen zunächst die Betreiber solcher Plattformen, wie hier der Telegram-Gruppe „GermanRefundCrew“, im Visier der Ermittler. Als Nächstes folgen dann aber die Nutzer solcher Angebote. Deshalb kann man von vielen neuen Strafverfahren in nächster Zeit in diesem Zusammenhang ausgehen.

Die Nutzer müssen neben einer Vorladung unter Umständen auch mit einer Hausdurchsuchung rechnen, da die Polizei so an weitere Beweismittel gelangen will. Häufig werden in solchen Fällen Datenträger und Kommunikationsmittel wie Computer, Telefone usw. beschlagnahmt. Im vorliegenden Fall wird auch nach den Waren gesucht werden, mit denen der Betrug begangen wurde.

Im Fall einer Hausdurchsuchung, die meistens überraschend und in den frühen Morgenstunden erfolgt, sollte man als Beschuldigter folgende 10 Regeln beachten:

  1. Bleiben Sie ruhig, auch wenn Sie verständlicherweise sehr aufgeregt sind.
  2. Öffnen Sie der Polizei die Tür.
  3. Lassen Sie sich von der Polizei den Durchsuchungsbeschluss zeigen und lesen Sie ihn.
  4. Leisten Sie während der Hausdurchsuchung keinen Widerstand gegen die Beamten und behindern Sie sie nicht bei ihrer Arbeit. Aktiv helfen müssen Sie ihnen aber auch nicht und sollten das auch nicht tun.
  5. Sie müssen keine Passwörter für SIM-Karten o. Ä. herausgeben. Sofern Sie mit Sicherheit wissen, dass sich auf einem Datenträger sowieso kein belastendes Material befindet, können Sie das Passwort ausnahmsweise nennen. Damit kann unter Umständen die Beschlagnahme des Datenträgers verhindert werden.
  6. Machen Sie unbedingt von Ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und lassen Sie sich nicht auf scheinbar harmlose Gespräche mit den Polizeibeamten ein.
  7. Nach Möglichkeit sollten Sie eine Person Ihres Vertrauens als Zeugen hinzuzuziehen.
  8. Kontaktieren Sie möglichst sofort einen Anwalt.
  9. Notieren Sie den Ablauf der Hausdurchsuchung und führen Sie eine eigene Liste der beschlagnahmten Gegenstände (unabhängig von der Liste, die Ihnen die Polizei am Ende aushändigen muss.)
  10. Lassen Sie sich die Dienstnummern der Beamten, eine Kopie des Durchsuchungsbeschlusses und des Protokolls der Hausdurchsuchung geben.

Von Ihrem Schweigerecht als Beschuldigter (Aussageverweigerungsrecht) sollten Sie auch dann Gebrauch machen, wenn Sie von den Ermittlungen nicht durch eine Hausdurchsuchung, sondern durch eine Vorladung der Polizei erfahren haben. Sie müssen diesen Termin nicht wahrnehmen.

Vielmehr sollten Sie einen Rechtsanwalt einschalten, der dann alle weiteren Schritte für Sie erledigt und vor allem einen Antrag auf Einsicht in die Ermittlungsakte stellen wird. Nur so kann in Erfahrung gebracht werden, über welche konkreten Beweise die Behörden gegen Sie verfügen. Die Einsicht in die Ermittlungsakte kann nur ein Rechtsanwalt beantragen, nicht aber der Beschuldigte selbst.

Falls Sie eine Anzeige wegen Nutzung der „GermanRefundCrew“ erhalten haben, stehen Dr. Brauer Rechtsanwälte Ihnen bundesweit als Strafverteidiger zur Verfügung. Dr. Matthias Brauer ist Fachanwalt für Strafrecht und vertritt Sie kompetent und engagiert während des gesamten Verfahrens. Nehmen Sie über das Kontaktformular, per E-Mail, Telefon oder WhatsApp Verbindung mit uns auf!




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