Sexualdelikte wie etwa ein sexueller Missbrauch, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung oder ein sexueller Übergriff sind schwerwiegende Delikte mit drastischen Konsequenzen für den Täter.1 Bei einer schweren Anschuldigung wird dem vermeintlichen Opfer jedoch oftmals blind geglaubt und der mutmaßliche Täter wird gesellschaftlich vorverurteilt und in der Öffentlichkeit abgestempelt.
Einer Studie zufolge hat etwa jedes 8. angezeigte Sexualdelikt gar nicht stattgefunden und es handelt sich um Falschbeschuldigungen.34
In unserem Artikel erfahren zu Unrecht Beschuldigte, wie sie als Betroffene am besten mit dieser Situation umgehen sollten und welche Verteidigungsmöglichkeiten es bei einer falschen Verdächtigung bei Sexualdelikten gibt.
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- Gründe für Falschaussagen bei Sexualdelikten
- Auswirkungen für Beschuldigte
- Was tun als zu Unrecht Beschuldigter?
- Wie kann man eine Falschaussage bei Sexualdelikten erkennen?
- Verteidigungsmöglichkeiten bei einer bewusst vorgetäuschten Vergewaltigung
- Rechtliche Konsequenzen für die Vortäuschung
- Strafverteidiger bei einer bewusst vorgetäuschten Sexualstraftat
Welche Gründe gibt es für eine Falschaussage bei Sexualdelikten?
Die Gründe für eine Falschaussage beziehungsweise falsche Verdächtigung bei Sexualdelikten wie einer Vergewaltigung oder einem sexuellen Missbrauch sind sehr unterschiedlich.4 Es können persönliche Motive wie Rache oder Eifersucht sein. Auch Falschaussagen aufgrund psychischer Probleme oder Missverständnisse kommen vor. Es kann auch sein, dass die Aussage aus Angst vor der Reaktion der Gesellschaft oder eines betrogenen Partners so zustande kommt.
- Erregung von Aufmerksamkeit
Beispiel: Eine Minderjährige prahlt mit einem sexuellen Erlebnis mit einem Erwachsenen – direkt oder über Umstände erfährt die Familie davon und erstattet Anzeige. - Erregung von Mitleid
Beispiel: Um ihren Ex-Freund zurückzugewinnen, erfindet eine Frau einen Überfall mit Vergewaltigung, um dessen Zuneigung und Fürsorge zu erreichen. - Bestehende soziale Konflikte
Beispiel: Die böswillige Erfindung einer Vergewaltigung, um einem verhassten anderen zu schaden. - Sorgerechtsstreitigkeiten
Beispiel: Eine Mutter erfindet den sexuellen Missbrauch von Kindern durch den Kindsvater, um bei Umgangs- oder Sorgerechtsstreitigkeiten eine bessere Chance zu haben. - Verdecken einer Affäre
Beispiel: Eine Frau hatte eine Affäre und wurde dabei erwischt. Statt den Seitensprung zuzugeben, erfindet sie eine Vergewaltigung. - Pubertätskrise
Beispiel: Eine Schülerin behauptet nach einer Party, sie sei zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden, um Schuldgefühle oder Scham zu rechtfertigen. - Psychische Erkrankungen
Beispiel: Nach einvernehmlichem Geschlechtsverkehr behauptet ein Partner plötzlich, es habe eine Vergewaltigung stattgefunden. Hier kann etwa das Borderline-Syndrom eine Rolle spielen. Mehr dazu.
Welche Auswirkungen kann eine bewusst vorgetäuschte Vergewaltigung für den Beschuldigten haben?
Wer bei einer vorgetäuschten Vergewaltigung oder einem erfundenen Sexualdelikt beschuldigt wird, kann gravierende Folgen erleben. Auch wenn die Anschuldigungen nur auf einer Falschaussage beruhen und ansonsten keine Beweise vorliegen, kann das Leben des Beschuldigten völlig auf den Kopf gestellt werden. Neben einer Vorladung drohen in vielen Fällen Hausdurchsuchungen oder erkennungsdienstliche Maßnahmen.5
Durch das Strafverfahren kann der soziale Ruf irreparabel geschädigt werden, was zum Verlust des Arbeitsplatzes und zu familiären Problemen führen kann. Auch das psychische Wohlbefinden leidet häufig erheblich.
Bei Verfahren wegen Sexualdelikten nach § 177 StGB droht eine Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten bis zu fünf Jahren.1
Was tun, wenn man zu Unrecht eines Sexualdelikts beschuldigt wird?
Wenn Sie von den Anschuldigungen erfahren, sollten Sie Ruhe bewahren und keine unüberlegten Handlungen vornehmen. Nehmen Sie keinen Kontakt zum vermeintlichen Opfer auf, um es zur Rede zu stellen – dies kann als Zeugeneinschüchterung gewertet werden.6
Machen Sie keine Aussage ohne anwaltliche Beratung und nutzen Sie Ihr Recht auf Aussageverweigerung.7
Wenden Sie sich schnellstmöglich an einen Fachanwalt für Strafrecht, der Akteneinsicht beantragen und eine fundierte Verteidigungsstrategie aufbauen kann.
Wie kann man eine Falschaussage bei Sexualdelikten erkennen?
Eine Falschaussage zu erkennen, ist schwierig – aber ein erfahrener Strafverteidiger mit Kenntnissen in Aussagepsychologie kann helfen.8 Falschaussagen sind meist ungenau oder widersprüchlich.
In vielen Fällen liegt eine „Aussage gegen Aussage“-Situation vor, bei der sorgfältig geprüft werden muss, ob ein Motiv für eine erfundene Anschuldigung besteht.2
Ein aussagepsychologisches Gutachten kann helfen, die Glaubwürdigkeit zu bewerten.8
Verteidigungsstrategie bei einer bewusst vorgetäuschten Vergewaltigung
Die Verteidigungsstrategie muss individuell erarbeitet werden. Nach Akteneinsicht werden die Beweise geprüft und mögliche Entlastungen herausgearbeitet.
Alibi für den Tatzeitpunkt
Kann der Beschuldigte nachweisen, dass er nicht am Tatort war, kann ein Alibi zur Einstellung des Verfahrens oder zum Freispruch führen.
Falsche Anschuldigungen entkräften
Hier gilt es, das persönliche Motiv des mutmaßlichen Opfers zu prüfen und Widersprüche in Aussagen aufzudecken.8
Gibt es rechtliche Konsequenzen für das entlarvte „Opfer“?
Wird bewiesen, dass eine Straftat absichtlich vorgetäuscht wurde, drohen straf- und zivilrechtliche Konsequenzen. Eine Anklage wegen falscher Verdächtigung oder Verleumdung ist möglich.910
Der zu Unrecht Beschuldigte kann Schadensersatz geltend machen.
Vorgetäuschtes Sexualdelikt: Hilfe vom Anwalt
Sie werden beschuldigt, ein Sexualdelikt begangen zu haben? Die Anschuldigungen beruhen auf einer Falschaussage? Dann nehmen Sie Kontakt zu uns auf – wir vertreten Sie bundesweit im Sexualstrafrecht.
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Über den Autor
Dr. Matthias Brauer LL.M.
Dr. Matthias Brauer ist Rechtsanwalt und ein erfahrener Fachanwalt für Strafrecht. Seit Jahren vertritt er mit seiner Kanzlei "Dr. Brauer Rechtsanwälte" bundesweit Mandanten bei strafrechtlichen Anschuldigungen.
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Quellen
- § 177 StGB – Sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung – dejure.org ↩︎ ↩︎
- BGH, Beschl. v. 10.07.2019 – 1 StR 154/19 („Aussage gegen Aussage“) – dejure.org ↩︎
- CPS (Crown Prosecution Service): Report on alleged false allegations of rape (2013) – cps.gov.uk ↩︎
- Rumney, P. N. S. (2006): “False Allegations of Rape” – Überblicksarbeit – SSRN ↩︎ ↩︎
- § 81b StPO – Erkennungsdienstliche Maßnahmen – dejure.org ↩︎
- § 112 StPO – Untersuchungshaft (Verdunkelungsgefahr) – dejure.org ↩︎ ↩︎
- Vorladung bei der Polizei als Beschuldigter – die-anwalts-kanzlei.de ↩︎
- DGPS – Qualitätsstandards für aussagepsychologische Gutachten – dgps.de ↩︎ ↩︎ ↩︎
- § 164 StGB – Falsche Verdächtigung – dejure.org ↩︎
- § 187 StGB – Verleumdung – dejure.org ↩︎














