Fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr – Welche Strafe droht?

Fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr – Welche Strafe droht?

Unfälle passieren täglich auf unseren Straßen. Häufig bleibt es dabei leider nicht nur bei Sachschäden. Werden bei einem Unfall Personen verletzt, steht oft der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung im Raum.

Im Gegensatz zu anderen Regelverstößen im Straßenverkehr handelt es sich bei der fahrlässigen Körperverletzung nicht nur um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um eine Straftat, die in § 229 des Strafgesetzbuches (StGB) geregelt ist.

Im folgenden Artikel finden Sie Antworten auf folgende Fragen:






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Was versteht man unter fahrlässiger Körperverletzung?

03.05.2021

Den Straftatbestand des § 229 StGB verwirklicht, wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht.

Fahrlässigkeit liegt vor,

  • wenn die Körperverletzung nicht vorsätzlich begangen wurde,
  • die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen wurde,
  • wenn durch die Beachtung der Sorgfaltspflicht die Körperverletzung vermeidbar gewesen wäre.

Zwischen der Pflichtverletzung und dem eingetretenen Schaden muss ein unmittelbarer Zusammenhang bestehen und die Verletzung muss vorhersehbar gewesen sein. Ein typischer Fall ist die Verursachung eines Unfalls mit Personenschaden infolge überhöhter Geschwindigkeit bei ungünstigen Straßenverhältnissen.

Schließlich ist es auch noch die Vermeidbarkeit des Unfalls eine Voraussetzung für die Annahme einer fahrlässigen Körperverletzung. Wenn sich also ein Fahrer völlig regelkonform verhalten hat und es dennoch zu einem Unfall kam, liegt keine Fahrlässigkeit vor.



Wann wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt?

03.05.2021

Die fahrlässige Körperverletzung ist gemäß § 230 StGB ein sogenanntes relatives Antragsdelikt. In diesen Fällen ist es erforderlich, dass der Geschädigte einen Strafantrag stellt. Das kann nach einem Unfall sofort vor Ort gegenüber der Polizei erfolgen, aber auch noch bis zu drei Monate danach.

Allerdings wird die Staatsanwaltschaft von sich aus ein Strafverfahren einleiten, wenn sie das sogenannte „öffentliche Interesse“ bejaht (deshalb „relatives Antragsdelikt“). Das ist dann der Fall, wenn die Folgen des Unfalls besonders schwer waren oder besondere Umstände beim Beschuldigten hinzutreten. Dazu zählen eine Vorstrafe, eine besonders schwerwiegende Pflichtverletzung und eine Fahrt unter Drogen- oder Alkoholeinfluss.



Wie hoch ist die Strafe bei fahrlässiger Körperverletzung?

03.05.2021

§ 229 StGB sieht für fahrlässige Körperverletzung eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor.

Welche Strafe konkret verhängt wird, ist immer von den Umständen des einzelnen Falles anhängig. Wichtige Punkte, die sich strafmildernd auswirken können, sind dabei:

  • das Maß an Fahrlässigkeit (bewusste oder unbewusste Fahrlässigkeit)
  • die Schwere der Verletzungen des Unfallopfers
  • ein mögliches Mitverschulden des Verletzten
  • das Verhalten des Unfallverursachers nach der Tat (insbesondere eine ernsthafte Entschuldigung und Bemühungen um eine möglichst zügige Schadensregulierung)
  • eigene Verletzungen des Unfallverursachers

Strafverschärfend würden dagegen z. B. mögliche Vorstrafen des Unfallverursachers oder das Fahren unter Drogen- oder Alkoholeinfluss gewertet werden.

Ersttäter müssen in der Regel mit einer Geldstrafe rechnen, die häufig bei 30 Tagessätzen liegt, also etwa einem Nettomonatsgehalt entspricht. Geldstrafen unter 90 Tagessätzen werden nicht ins Führungszeugnis eingetragen.

Ein zusätzliches Bußgeld wird nicht erhoben, weil es sich – wie oben bereits erwähnt – nicht um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um eine Straftat handelt.

Sollte das Strafverfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt werden, kann es ein Bußgeld für verkehrsrechtliche Verstöße im Zusammenhang mit dem Unfall geben.

Es können auch Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg eingetragen werden. Voraussetzung dafür ist die Verhängung eines Fahrverbots (2 Punkte) oder die Entziehung der Fahrerlaubnis (3 Punkte) durch das Urteil. Werden diese Nebenstrafen nicht ausgesprochen, dann gibt es keine Punkte.



Wie verhalte ich mich richtig nach einem Unfall mit einer Körperverletzung, den ich verursacht habe?

03.05.2021
  • Bewahren Sie Ruhe!
  • Leisten Sie Erste Hilfe!
  • Sichern Sie den Unfallort!
  • Verständigen Sie die Polizei und – falls notwendig – Rettungskräfte!
  • Sichern Sie mit der Kamera Ihres Mobiltelefons oder einem ähnlichen Gerät möglichst Beweise und dokumentieren Sie die Unfallstelle!
  • Informieren Sie umgehend Ihre Haftpflichtversicherung über den Schaden!

Machen Sie gegenüber der Polizei keine Aussagen zur Schuld an dem Unfall und auch keine Angaben zum Hergang. Als Beschuldigter haben Sie ein Aussageverweigerungsrecht, das Ihnen nicht negativ ausgelegt werden darf. Das gilt auch für einen Anhörungsbogen der Polizei, der Ihnen evtl. später zugeschickt wird.



Übernimmt die Rechtsschutzversicherung die Kosten bei einer fahrlässigen Körperverletzung?

03.05.2021

Die Rechtsschutzversicherung trägt im Normalfall alle Kosten im Zusammenhang mit dem Verfahren – unabhängig von der Schuldfrage. Für mögliche Schadensersatzansprüche des Unfallopfers und ein Schmerzensgeld bei schweren Verletzungen kommt die Haftpflichtversicherung auf.

Sollte im Gerichtsverfahren eine Verurteilung wegen vorsätzlicher statt fahrlässiger Körperverletzung erfolgen, dann wird sich jedoch die Rechtsschutzversicherung die bereits geleisteten Zahlungen erstatten lassen.

Warum sollte ich bei fahrlässiger Körperverletzung einen Anwalt einschalten?

03.05.2021

Ob es sinnvoll ist, einen Rechtsanwalt zu kontaktieren, hängt nicht zuletzt von der Schwere des Unfalls ab. Das ist aber unmittelbar nach dem Ereignis oft noch nicht genau zu überblicken. Deshalb sollten Sie sich im Zweifelsfall frühzeitig zu einer Kontaktaufnahme mit einem Anwalt entschließen.

Ein erfahrener Anwalt für Verkehrsrecht kann im optimalen Fall für die Abwehr eines Verfahrens gegen Sie sorgen. Bedenken Sie bei Ihrer Entscheidung nicht nur die eigentliche Strafe, die bei Ersttätern in der Regel gering ausfällt, sondern behalten Sie auch die Nebenfolgen im Blick, wie mögliche Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld für das Unfallopfer. Schließlich kann auch Ihr Führerschein in Gefahr sein.

Spätestens wenn Sie eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung erhalten haben oder Ihnen sogar schon ein Strafbefehl zugestellt wurde, ist die Einschaltung eines Rechtsanwalts dringend zu empfehlen. Aufgrund seiner Berufserfahrung kann er erfolgversprechende Ansatzpunkte finden, die Sie vor einer Verurteilung bewahren. Beachten Sie bei einem Strafbefehl bitte unbedingt die kurze Frist von zwei Wochen für einen Einspruch. Der Strafbefehl steht einem Urteil gleich!

Viele Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung können mithilfe eines Rechtsanwalts wegen Geringfügigkeit eingestellt werden, evtl. gegen Zahlung einer Geldauflage. Ob das auch in Ihrem Fall möglich ist, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Nehmen Sie für eine kostenlose und unverbindliche Ersteinschätzung Kontakt mit uns auf. Dr. Brauer Rechtsanwälte sind auf Verkehrsrecht und Strafrecht spezialisiert und bundesweit tätig. Nutzen Sie das Formular auf dieser Seite oder kontaktieren Sie uns per E-Mail oder Telefon (gern auch über WhatsApp).




Dr. Matthias Brauer LL.M - Ihr Fachanwalt für Strafrecht und Anwalt für Verkehrsrecht


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