Welche Strafen drohen bei Fahrerflucht?

Welche Strafen drohen bei Fahrerflucht?

Es passiert tagtäglich auf unseren Straßen: Ein Verkehrsteilnehmer verursacht mit seinem Fahrzeug einen Unfall und fährt davon – aus welchen Gründen auch immer. Dieses Verhalten wird als Fahrerflucht oder Unfallflucht bezeichnet und ist kein Kavaliersdelikt. Es wird durch § 142 des Strafgesetzbuches (StGB) als „Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“ geahndet.

In diesem Artikel erhalten Sie Antworten auf folgende Fragen zum Thema Fahrerflucht:






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Was genau ist Fahrerflucht oder Unfallflucht?

Was fällt alles unter dem Straftatbestand der Fahrer- bzw. Unfallflucht:

07.06.2021

Der § 142 StGB (Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort) sieht verschiedene Tatbestände bei Fahrerflucht und der gleichbedeutenden Unfallflucht vor:

Entfernung als Unfallbeteiligter vom Unfallort

Entfernung als Unfallbeteiligter vom Unfallort, bevor man zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, dass man an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat. (§ 142 Abs. 1 Nr. 1 StGB)

Als Unfallbeteiligter gilt dabei nicht nur der Autofahrer selbst, sondern jede Person, die zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann.

Unfallort ist die Stelle, an der ein Unfall unmittelbar stattgefunden hat. Selbst wenn Sie nur 100 Meter weiterfahren, begehen Sie rechtlich gesehen bereits eine Unfallflucht. Deshalb sollten Sie unbedingt sofort anhalten, wenn Sie einen Unfall bemerken, der durch Sie verursacht worden sein könnte. Das gilt auch für Parkplätze, Tankstellengelände u. Ä.!

Keine angemessene Zeit vor Ort gewartet

Keine angemessene Zeit vor Ort darauf gewartet, ob jemand bereit ist, die Feststellungen zu treffen. (§ 142 Abs. 1 Nr. 2)

Die Dauer ist dabei abhängig vom Einzelfall. Wichtige Kriterien sind Wochentag und Uhrzeit, Art und Schwere des Unfalls, die Witterung, die Verkehrsdichte, das Verhalten des Unfallbeteiligten während des Wartens sowie die Lage des Unfallorts.

Die Mindestwartezeit beträgt bei einfachen Unfällen mindestens 10 bis 15 Minuten. In schweren Fällen mit Personenschäden nimmt man eine Mindestwartezeit von einer Stunde an.

Es reicht auf keinen Fall aus, am Unfallort lediglich einen Zettel mit seinen Daten zu hinterlassen. Vor diesem Fehler muss ausdrücklich gewarnt werden, da er immer wieder vorkommt!

Strafbar macht sich auch, wer sich erst nach dem Ablauf der Wartefrist vom Unfallort entfernt hat, aber die Feststellungen nicht nachträglich unverzüglich möglich macht. (§ 142 Abs. 2 Nr. 1 StGB)

Gleiches gilt, wenn sich der Unfallverursacher zwar – ohne die Wartezeit einzuhalten – berechtigt und entschuldigt vom Unfallort entfernt hat, aber die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht. (§ 142 Abs. 2 Nr. 2)

Eine Rechtfertigung für das vorzeitige Verlassen des Unfallorts kann z. B. vorliegen, wenn man sich aufgrund von Verletzungen in ärztliche Behandlung geben muss. Als Entschuldigung gilt, wenn sich der Unfallverursacher entfernt, weil er dort von anderen Personen bedroht wird.

Strafmilderung bei Meldung innerhalb 24 Stunden

Schließlich sieht der § 142 Abs. 4 Strafmilderung oder Absehen von Strafe für den Fall vor, dass ich der Unfallbeteiligte innerhalb von 24 Stunden nach einem Unfall, der außerhalb des fließenden Verkehrs stattgefundenen haben muss und keinen bedeutenden Sachschaden verursacht hat, freiwillig die Feststellungen nachträglich ermöglicht. Zudem darf die Polizei noch nicht die Ermittlungen aufgenommen haben.



Welche Strafen sieht das Gesetz für Fahrerflucht vor?

Strafmaß bei Fahrerflucht:

07.06.2021

Nach § 142 StGB wird das unerlaubte Entfernen vom Unfallort mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet.

Praktische Tabellen:
Erfahrungswerte aus Verfahren wegen § 142 StGB bei Sachschäden und bei Personenschäden


Sachschaden Geldstrafe Punkte (Flensburg) Fahrverbot / Führerscheinentzug
unter 750 Euro Einstellung des Verfahrens - -
unter 1.250 Euro 30 Tagessätze 2 1 Monat Fahrverbot
1.250 - 2.000 Euro 40 Tagessätze 3 Entzug der Fahrerlaubnis
über 2.000 Euro 50 Tagessätze 3 Entzug der Fahrerlaubnis

Personenschaden Strafe Punkte (Flensburg) Fahrverbot / Führerscheinentzug
leicht Geldstrafe ab 60 Tagessätze 3 3 Monate Fahrverbot
schwer Freiheitsstrafe ab 3 Monate 3 Entzug der Fahrerlaubnis inkl. Sperrfrist (mind. 1 Jahr)

Die hier aufgeführten Strafen sind lediglich grobe Richtwerte aufgrund von anwaltlichen Erfahrungen und daher nicht verbindlich. Die genaue Strafe richtet sich immer nach den konkreten Umständen des Einzelfalls.

Wie Sie der Tabelle entnehmen können, ist die Höhe des entstandenen Schadens ein wichtiges Kriterium.



Anwalt für Verkehrsstrafrecht in Bonn

Welche weiteren Folgen drohen bei Fahrerflucht?

Weitere Folgen bei Unfallflucht:

07.06.2021

Entzug der Fahrerlaubnis

Im Regelfall wird bei einer Verurteilung wegen Fahrerflucht die Fahrerlaubnis entzogen. Eine erneute Erteilung durch die zuständige Behörde ist erst nach einer vom Gericht festgelegten Frist möglich. Die Sperrfrist beträgt dabei mindestens sechs Monate.

Die Behörde kann für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis ein Medizinisch-Psychologisches Gutachten anfordern, was mit weiteren Kosten für den Betroffenen verbunden ist.

Verlängerung der Probezeit

Bei einer Fahrerflucht in der Probezeit wird diese von zwei Jahren auf vier Jahre verlängert.

Verlust des Deckungsschutzes der Rechtsschutzversicherung

Da es sich bei Fahrerflucht um ein Delikt handelt, das nur vorsätzlich begangen werden kann, entfällt im Fall einer Verurteilung der Deckungsschutz durch die Rechtsschutzversicherung. Bereits übernommene Kosten müssen nachträglich zurückgezahlt werden.

Weitere mögliche strafrechtliche Folgen

Bei Personenschäden können auch strafrechtlich zur Fahrerflucht noch weitere Tatbestände hinzukommen. Denkbar sind:

  • unterlassene Hilfeleistung (§ 323c StGB), die ebenfalls mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet wird,
  • fahrlässige Körperverletzung (§ 229 StGB), die mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet wird,
  • fahrlässige Tötung (§ 222 StGB), die mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet wird


Wann sollte man einen Anwalt für Verkehrsstrafrecht einschalten?

Anwalt für Verkehrsstrafrecht

07.06.2021

Angesichts des Strafrahmens und nicht zuletzt wegen der oben erwähnten Nebenfolgen sollte frühzeitig ein auf Verkehrsrecht spezialisierter Rechtsanwalt kontaktiert werden. Um sich gar nicht erst in die Gefahr einer Strafverfolgung zu begeben oder Fehler beim Verhalten gegenüber der Polizei zu machen, empfiehlt sich eine sofortige Kontaktaufnahme nach dem Unfall. Sofern Sie den Unfall nicht bemerkt haben, sollten Sie unbedingt einen Anwalt einschalten, wenn Sie von einem Ermittlungsverfahren wegen Unfallflucht gegen Sie erfahren haben.

Als Beschuldigter sollten Sie unbedingt von Ihrem Schweigerecht Gebrauch machen. Geben Sie nur Ihre Personalien an, verweigern Sie aber Aussagen zum Unfallhergang und zur Person des Fahrers.

Ich habe mich als Anwalt auf Verkehrsrecht und Strafrecht fokussiert. Deshalb besitze ich eine große Erfahrung im Verkehrsstrafrecht. Ich bin bundesweit als Strafverteidiger tätig. Gern können Sie mich über das Formular auf dieser Seite, über E-Mail oder Telefon (auch über WhatsApp) Kontakt mit mir aufnehmen.




Dr. Matthias Brauer LL.M - Ihr Fachanwalt für Strafrecht und Anwalt für Verkehrsrecht


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