Einhandmesser – erlaubt oder verboten?

Einhandmesser erlaubt oder verboten?

Einhandmesser sind leicht zu bedienen und deshalb sehr beliebt. Doch sind sie überhaupt erlaubt oder nach dem Waffengesetz verboten? Und womit muss man rechnen, wenn ein Einhandmesser über das Internet im Ausland bestellt wurde und der Zoll die Sendung kontrolliert hat?

In diesem Artikel finden Sie Antworten auf folgende Fragen:




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Ist der Umgang mit Einhandmessern in Deutschland erlaubt oder verboten?

Einhandmesser sind im Waffengesetz (WaffG) in § 42a Abs. 1 Nr. 3 geregelt. Man versteht darunter Messer mit einer einhändig feststellbaren Klinge, die mit einer Hand zu öffnen sind und über eine Arretierung verfügen, die ebenfalls mit einer Hand bedient werden kann. Für die Einstufung als Einhandmesser müssen beide Bedingungen erfüllt sein. Der genaue Öffnungsmechanismus (Öffnungspin, Bohrung in der Klinge oder Flipper) ist dagegen egal. Auch die Länge der Klinge hat für die rechtliche Einstufung hier keine Bedeutung.

Nach dem Waffengesetz darf man ein Einhandmesser zwar besitzen, es aber nicht in der Öffentlichkeit mit sich führen, auch nicht in der Hosen- oder Jackentasche. In der eigenen Wohnung muss man es so aufbewahren, dass Dritte keinen Zugriff darauf haben.

Die Rechtslage bei Einhandmessern unterscheidet sich insoweit von den Regelungen hinsichtlich anderer Messerarten, die als verbotene Waffen im Sinne des WaffG gelten und mit denen deshalb der Umgang generell verboten ist. Abzugrenzen sind Einhandmesser insbesondere von Springmessern, die ebenfalls mit einer Hand geöffnet werden, bei denen die Klinge aber durch Betätigung eines Knopfes automatisch hervorspringt, während das bei Einhandmessern nur per Hand erfolgt.

Aufgrund des Verbotes des Tragens in der Öffentlichkeit ist dennoch auch bei Einhandmessern immer Vorsicht geboten. So kann man schon wegen eines Einhandmessers im Handschuhfach des eigenen Autos eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz bekommen.

Ausnahmen vom Verbot des öffentlichen Mitsichführens gelten für die Verwendung bei Foto-, Film- oder Fernsehaufnahmen oder Theateraufführungen, den Transport in einem verschlossenen Behältnis und wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt. Das ist bei einer beruflichen Nutzung der Fall, für die Brauchtumspflege und den Sport sowie für einen „allgemein anerkannten Zweck“ – dazu gehört aber nicht die Nutzung zur Selbstverteidigung!

Eine weitere Voraussetzung für den legalen Besitz eines Einhandmessers ist entsprechend § 2 Abs. 1 WaffG ein Mindestalter von 18 Jahren.




Was passiert, wenn der Zoll in einer Sendung ein Einhandmesser entdeckt?

Da nur das öffentliche Mitsichführen nicht erlaubt ist, sollte das Einführen eines Einhandmessers nach Deutschland kein Problem sein. Allerdings leiten manche Zollbeamte in Unkenntnis der speziellen Rechtslage bei Einhandmessern Strafverfahren wegen Bannbruchs und Verstoßes gegen das Waffengesetz ein. In diesem Fall sollte man sich unbedingt wehren, weil sonst eine Bestrafung nach dem Waffengesetz denkbar ist. Die Einschaltung eines Rechtsanwalts ist zu empfehlen.




Welche Strafe droht bei einem Verstoß gegen das Waffengesetz wegen eines Einhandmessers?

Nach § 53 Abs. 1 Nr. 21a in Verbindung mit § 42a Abs. 1 Nr. 3 des WaffG kann das Mitsichführen eines Einhandmessers als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Das Messer wird eingezogen.




Wie verhalte ich mich richtig bei einer Anzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz?

Verstöße gegen das Waffengesetz werden in Deutschland hart bestraft. Sofern Sie als Beschuldigter von dem Strafverfahren durch eine Vorladung oder einen Anhörungsbogen der Polizei erfährt, sollten Sie keine Angaben zur Sache machen, lediglich Angaben zur Person sind Pflicht. Vom Aussageverweigerungsrecht sollten zunächst auch dann Gebrauch gemacht werden, wenn Sie der Auffassung sind, dass der Vorwurf falsch ist, z. B. weil die Bestellung eines Einhandmessers nicht verboten ist.

Als nächsten Schritt sollten Sie einen Fachanwalt für Strafrecht einschalten, der sich auf dem komplizierten Gebiet des Waffenrechts auskennt und einschätzen kann, ob überhaupt ein strafbares Handeln vorliegt. Dazu wird ein Strafverteidiger zunächst Einsicht in die Ermittlungsakte beantragen – eine Möglichkeit, die nur Anwälte haben, nicht jedoch der Beschuldigte selbst.

Auf dieser Grundlage kann ein Rechtsanwalt dann eine erfolgversprechende Verteidigungsstrategie entwickeln, die im optimalen Fall mit einer Einstellung des Strafverfahrens oder einem Freispruch endet. Im besten Fall wird das Verfahren eingestellt – nach § 170 Abs. 2 der Strafprozessordnung (StPO) oder aber wegen Geringfügigkeit nach § 153 StPO bzw. gegen eine Geldauflage nach § 153a StPO.

Größte Eile ist geboten, wenn Ihnen sogar schon ein Strafbefehl zugegangen ist. Die Einspruchsfrist beträgt hier nur zwei Wochen! Im Ergebnis steht ein rechtskräftiger Strafbefehl einem Urteil gleich – mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen.

Falls eine Einstellung aufgrund der Beweislage nicht realistisch sein, kann ein Rechtsanwalt durch eine guten Verteidigung dafür sorgen, dass die Strafe so gering wie möglich ausfällt.

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