Die Vergewaltigung ist ein schwerer sexueller Übergriff, bei dem es gegen den Willen des Opfers zu einer besonders erniedrigenden sexuellen Handlung mit Eindringen in den Körper kommt.1
Auch die Vergewaltigung in der Ehe oder Partnerschaft ist strafbar.2
Für eine Vergewaltigung drohen Freiheitsstrafen von zwei bis zu 15 Jahren.3
Wenn wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung in der Ehe gegen Sie ermittelt wird, sollten Sie von Ihrem Schweigerecht Gebrauch machen und sich schnellstmöglich an einen erfahrenen Strafverteidiger wenden.4
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- Was ist eine Vergewaltigung? Definition nach § 177 StGB verständlich erklärt
- Ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar? Rechtslage seit 1997
- Was bedeutet „gegen den erkennbaren Willen“ bei Vergewaltigung in der Ehe?
- Reicht eine Aussage allein für eine Verurteilung aus?
- Wann verjährt eine Vergewaltigung in der Ehe?
- Kann auch ein Mann Opfer einer Vergewaltigung in der Ehe werden?
- Welche Strafe droht bei Vergewaltigung in einer Ehe?
- Welche weiteren Konsequenzen drohen bei dem Vorwurf der Vergewaltigung in der Ehe?
- Ermittlungen wegen Vergewaltigung in der Ehe: Richtiges Verhalten als Beschuldigter
- Welche Beweise sind bei einem Vergewaltigungsvorwurf in der Ehe relevant?
- Wie kann ein Strafverteidiger bei dem Vorwurf der Vergewaltigung helfen?
- Kontakt zum Strafverteidiger – Schnelle Hilfe im Sexualstrafrecht
Was ist eine Vergewaltigung? Definition nach § 177 StGB verständlich erklärt
Der Vorwurf der Vergewaltigung ist wohl einer der schwerwiegendsten, der überhaupt vorstellbar ist. Kommt es zu einer Verurteilung, ist das Strafmaß deutlich höher als bei anderen Sexualstraftaten. Doch selbst wenn es zu einer Einstellung des Verfahrens oder sogar einem Freispruch kommt, bleibt oft am Beschuldigten etwas hängen.
Grundsätzlich versteht man unter einer Vergewaltigung einen besonders schweren sexuellen Übergriff, bei dem es zum Beischlaf oder zu beischlafähnlichen sexuellen Handlungen kommt, die mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind.5
Im Gegensatz zu anderen in § 177 StGB geregelten Sexualstraftaten setzt die Vergewaltigung damit regelmäßig eine besonders schwerwiegende Form sexueller Handlung voraus. Entscheidend ist dabei, ob die sexuelle Handlung gegen den erkennbaren Willen des Opfers vorgenommen wurde oder ob eine Lage ausgenutzt wurde, in der die betroffene Person keinen entgegenstehenden Willen bilden oder äußern konnte.6
Ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar? Rechtslage seit 1997
Das Gesetz macht keinen Unterschied zwischen einer Vergewaltigung innerhalb oder außerhalb der Ehe. In einer Ehe oder Partnerschaft bestehen keine Sonderrechte. Lange war ein ehelicher sexueller Übergriff in der Bundesrepublik wie in anderen Staaten nicht strafbar. Dies wird den meisten in Erinnerung gerufen weil der spätere Bundeskanzler Friedrich Merz damals gegen die Strafbarkeit stimmte. Seit dem Jahr 1997 ist auch die Vergewaltigung in der Ehe strafbar und es gibt keinen Unterschied mehr zu außerehelicher sexueller Gewalt.7
Entscheidendes Kriterium für die Strafbarkeit ist, ob der Geschlechtsverkehr einvernehmlich oder gegen den Willen des Partners beziehungsweise Ehefrau oder Ehemann erfolgt ist. Die Abgrenzung erweist sich in der Rechtspraxis jedoch nicht immer als eindeutig.8
Was bedeutet „gegen den erkennbaren Willen“ bei Vergewaltigung in der Ehe?
Seit der Reform des Sexualstrafrechts gilt der Grundsatz „Nein heißt Nein“. Maßgeblich ist, ob eine sexuelle Handlung gegen den erkennbaren Willen einer Person vorgenommen wird. Dabei kommt es nicht zwingend darauf an, dass das Opfer sich körperlich wehrt.9
Ein entgegenstehender Wille kann sich auch durch verbale Ablehnung, Weinen, Erstarren oder andere eindeutige Signale äußern. Entscheidend ist, ob für den Täter erkennbar war oder hätte erkennbar sein müssen, dass die Handlung nicht gewollt ist.10
Gerade in bestehenden Beziehungen oder Ehen kann die Abgrenzung schwierig sein, da frühere Einvernehmlichkeit keine Zustimmung für zukünftige Handlungen bedeutet. Auch innerhalb einer Partnerschaft gilt: Jede sexuelle Handlung erfordert die Zustimmung beider Seiten.11
Reicht eine Aussage allein für eine Verurteilung aus?
In vielen Verfahren wegen Vergewaltigung in der Ehe steht Aussage gegen Aussage. Das bedeutet, dass es häufig keine objektiven Beweise oder Tatzeugen gibt.12
Dennoch ist eine Verurteilung grundsätzlich möglich, wenn das Gericht die Aussage des mutmaßlichen Opfers als glaubhaft und die des Beschuldigten als nicht überzeugend einstuft. Dabei spielen insbesondere die Detailtiefe, Widerspruchsfreiheit und Konstanz der Aussage eine wichtige Rolle.13
Gerade deshalb ist eine professionelle Verteidigung entscheidend. Ein erfahrener Strafverteidiger kann mögliche Widersprüche aufdecken und die Aussage kritisch hinterfragen.
Wann verjährt eine Vergewaltigung in der Ehe?
Die Verjährungsfrist für Vergewaltigung richtet sich nach der gesetzlichen Strafandrohung und beträgt in der Regel 20 Jahre.14 In bestimmten Konstellationen, etwa bei minderjährigen Opfern, kann sich die Verjährung durch besondere gesetzliche Ruhensregelungen weiter hinausschieben.15
Wichtig ist zudem, dass die Verjährung unter bestimmten Voraussetzungen unterbrochen werden kann, etwa durch einzelne Ermittlungs- oder Verfahrenshandlungen.16
Ob ein konkreter Vorwurf bereits verjährt ist, lässt sich daher nur im Einzelfall zuverlässig beurteilen.
Kann auch ein Mann Opfer einer Vergewaltigung in der Ehe werden?
Ja, das Strafrecht ist in diesem Bereich geschlechtsneutral ausgestaltet. Auch Männer können Opfer einer Vergewaltigung oder eines sexuellen Übergriffs werden – unabhängig davon, ob die Tat innerhalb oder außerhalb einer Ehe oder Partnerschaft erfolgt.17
Entscheidend ist allein, ob eine sexuelle Handlung gegen den erkennbaren Willen der betroffenen Person vorgenommen wurde.
Welche Strafe droht bei Vergewaltigung in einer Ehe?
Laut § 177 Abs. 6 StGB wird die Vergewaltigung mit einer Freiheitsstrafe von nicht unter zwei Jahren bestraft. Der Strafrahmen reicht dabei bis zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren.18 Geldstrafen sind in diesen Fällen nicht vorgesehen. Eine Bewährungsstrafe kommt nur unter den gesetzlichen Voraussetzungen des § 56 StGB überhaupt in Betracht; bei Strafen von über zwei Jahren scheidet sie aus.19
Die konkrete Strafe hängt stets vom jeweiligen Einzelfall ab. Maßgeblich sind insbesondere die Schwere der Tat, die Anzahl der Taten, das Verhalten des Täters auch nach der Tat sowie dessen Persönlichkeit. Auch einschlägige Vorstrafen spielen eine wichtige Rolle.
Welche weiteren Konsequenzen drohen bei dem Vorwurf der Vergewaltigung in der Ehe?
Es liegt auf der Hand, dass bereits der Vorwurf einer Vergewaltigung – und erst recht eine Verurteilung – das bisherige Leben vollständig verändern kann. Häufig kommt es zu erheblichen sozialen und persönlichen Folgen. Eine Eintragung im Führungszeugnis kann zudem je nach Verurteilung und Einzelfall erhebliche berufliche Nachteile nach sich ziehen.20
Darüber hinaus sind auch familienrechtliche Konsequenzen denkbar. So kann es etwa zu gerichtlichen Schutzanordnungen, einem Kontaktverbot oder zur Überlassung der gemeinsamen Wohnung kommen. Auch Auswirkungen auf den Umgang mit den eigenen Kindern oder das Sorgerecht sind möglich, wenn das Kindeswohl gefährdet ist.21
Besonders relevant ist, dass solche familienrechtlichen Maßnahmen unter Umständen bereits dann ergriffen werden können, wenn das strafrechtliche Verfahren noch nicht abgeschlossen ist.
Ermittlungen wegen Vergewaltigung in der Ehe: Richtiges Verhalten als Beschuldigter
Für Beschuldigte einer solchen Tat ist es oft der naheliegendste Impuls, sich zu rechtfertigen und die Vorwürfe möglichst schnell aus der Welt zu schaffen. Doch jedes Wort zu viel kann gegen den Beschuldigten verwendet werden. Daher sollten Sie sich im Falle eines gegen Sie laufenden Ermittlungsverfahrens unbedingt an die folgenden Grundregeln halten:
- Keine Aussage ohne anwaltliche Beratung.
Ohne vorherige Beratung durch einen Strafverteidiger sollten Sie sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Sie haben als Beschuldigter ein umfassendes Aussageverweigerungsrecht, von dem Sie konsequent Gebrauch machen sollten.22 Ebenso sollten Sie keinen Kontakt zum mutmaßlichen Opfer aufnehmen, um die Situation „richtigzustellen“. Ein solcher Kontakt kann je nach Einzelfall als Versuch gewertet werden, auf das Verfahren einzuwirken, und strafprozessuale Nachteile nach sich ziehen.23 - Sofort einen Strafverteidiger kontaktieren.
Wenn gegen Sie ermittelt wird, sollten Sie sich umgehend an einen erfahrenen Anwalt für Strafrecht wenden. Je früher Sie einen Rechtsbeistand an Ihrer Seite haben, desto besser sind in der Regel die Verteidigungschancen. Ein Anwalt übernimmt die Kommunikation mit den Ermittlungsbehörden und stellt sicher, dass Sie sich nicht durch unbedachte Aussagen selbst belasten.
Welche Beweise sind bei einem Vergewaltigungsvorwurf in der Ehe relevant?
Auch wenn es häufig keine direkten Zeugen gibt, können verschiedene Beweismittel eine Rolle spielen. Dazu zählen unter anderem ärztliche Befunde, Chatverläufe, Sprachnachrichten oder Aussagen von Personen aus dem Umfeld, denen sich das mutmaßliche Opfer anvertraut hat.24
Ebenso können Verhaltensweisen nach der angeblichen Tat eine Bedeutung haben, etwa ob und wann eine Anzeige erstattet wurde. In vielen Fällen handelt es sich jedoch um eine Gesamtwürdigung aller Umstände, bei der auch kleinste Details eine Rolle spielen können.
Für die Verteidigung ist es daher entscheidend, sämtliche Beweise sorgfältig zu analysieren und in einen Gesamtzusammenhang einzuordnen.
Wie kann ein Strafverteidiger bei dem Vorwurf der Vergewaltigung helfen?
Neben der häufigen gesellschaftlichen Vorverurteilung und erheblichen sozialen Konsequenzen liegt eine Besonderheit bei Vergewaltigungsvorwürfen darin, dass es oft keine unmittelbaren Zeugen gibt. Häufig entsteht dadurch eine Aussage-gegen-Aussage-Situation.25
Um diese komplexen Sachverhalte aufzuklären, ist ein erfahrener Strafverteidiger unerlässlich, insbesondere mit Kenntnissen im Bereich der Aussagepsychologie und Aussageanalyse. In vielen Fällen lassen sich Widersprüche im Aussageverhalten aufdecken und gezielt herausarbeiten.26
Nach der Mandatserteilung wird der Anwalt zunächst Akteneinsicht beantragen, um zu prüfen, was Ihnen konkret vorgeworfen wird und welche Beweismittel vorliegen. Auf dieser Grundlage entwickelt der Strafverteidiger eine individuelle Verteidigungsstrategie. Ist die Beweislage schwach oder sind Verfahrensfehler erkennbar, kann häufig bereits im Ermittlungsverfahren eine frühzeitige Einstellung erreicht werden.
Doch selbst wenn es zu einer Anklage und anschließend zu einer Hauptverhandlung kommt, bestehen weiterhin Verteidigungsmöglichkeiten. Der Anwalt kann Beweisanträge stellen, die Beweisaufnahme kritisch hinterfragen und so im besten Fall auf einen Freispruch hinwirken.
Kontakt zum Strafverteidiger – Schnelle Hilfe im Sexualstrafrecht
Die Dr. Brauer Rechtsanwälte sind auf Strafrecht spezialisiert und verfügen durch ihre langjährige Tätigkeit als Strafverteidiger über umfassende Erfahrung – insbesondere im Sexualstrafrecht. Die Kanzlei unterhält Zweigstellen in Bonn, Köln, Hamburg, Lübeck, Greifswald, Berlin, Leipzig, Dresden, Frankfurt, Saarbrücken, Stuttgart, Nürnberg, Regensburg und München und vertritt Mandanten bundesweit.
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Über den Autor
Dr. Matthias Brauer LL.M.
Dr. Matthias Brauer ist Rechtsanwalt und ein erfahrener Fachanwalt für Strafrecht. Seit Jahren vertritt er mit seiner Kanzlei "Dr. Brauer Rechtsanwälte" bundesweit Mandanten bei strafrechtlichen Anschuldigungen.
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Quellen
- gesetze-im-internet.de, § 177 StGB ↑
- Deutscher Bundestag, Vergewaltigung in der Ehe ↑
- gesetze-im-internet.de, § 177 Abs. 6 StGB ↑
- gesetze-im-internet.de, § 136 StPO ↑
- gesetze-im-internet.de, gesetzliche Definition der Vergewaltigung in § 177 StGB ↑
- dejure.org, § 177 StGB ↑
- bpb, Zeitstrahl Frauenrechte: Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe seit 1997 ↑
- bpb, Sexualisierte Gewalt im reformierten Strafrecht ↑
- Deutscher Bundestag, Grundsatz „Nein heißt Nein“ im Sexualstrafrecht ↑
- Polizei-Beratung, Sexuelle Nötigung / Vergewaltigung ↑
- gesetze-im-internet.de, Maßstab des erkennbaren Willens in § 177 StGB ↑
- anwalt.de, Aussage gegen Aussage in Sexualstrafverfahren ↑
- anwalt.de, Aussage gegen Aussage: Anforderungen an die Glaubhaftigkeitsprüfung ↑
- gesetze-im-internet.de, § 78 StGB ↑
- gesetze-im-internet.de, § 78b StGB ↑
- gesetze-im-internet.de, § 78c StGB ↑
- gesetze-im-internet.de, geschlechtsneutrale Fassung des § 177 StGB ↑
- gesetze-im-internet.de, Strafrahmen bei Vergewaltigung nach § 177 Abs. 6 StGB ↑
- gesetze-im-internet.de, § 56 StGB ↑
- gesetze-im-internet.de, § 32 BZRG ↑
- gesetze-im-internet.de, Gewaltschutzgesetz; dejure.org, § 1666 BGB ↑
- gesetze-im-internet.de, Aussageverweigerungsrecht des Beschuldigten nach § 136 StPO ↑
- gesetze-im-internet.de, § 112 StPO; gesetze-im-internet.de, § 112a StPO ↑
- Polizei-Beratung, mögliche Beweismittel und Verhalten nach Sexualstraftaten ↑
- anwalt.de, Vergewaltigung und Aussage-gegen-Aussage-Konstellation ↑
- anwalt.de, Rolle von Aussagepsychologie und Verteidigung im Sexualstrafrecht ↑















