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Wird bei Amphetaminkonsum der Führerschein entzogen?

Amphetamin und Führerschein

Zuletzt aktualisiert am 14. März 2023

Konsequenzen beim Fahren unter Einfluss von Amphetamin

14.03.2023

Anders als bei Cannabis muss man bei Amphetaminkonsum auch dann mit einem Entzug des Führerscheins rechnen, wenn es gar keinen Zusammenhang mit dem Straßenverkehr gibt. Mit der Ausnahme Cannabis gelten Konsumenten von Betäubungsmitteln generell als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen, obwohl der reine Konsum von Amphetamin und anderen Betäubungsmitteln in Deutschland – im Gegensatz zu Erwerb und Besitz – straffrei ist. Hier ist aber zwischen dem Strafrecht und dem Straßenverkehrsrecht zu unterscheiden.

Allerdings kann auch das Strafgericht die Fahrerlaubnis entziehen und eine Sperre zur Wiedererteilung anordnen.

Grundsätzlich ist es aber die Aufgabe der Straßenverkehrsbehörden zu prüfen, ob der Inhaber einer Fahrerlaubnis zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet ist. Falls nicht, dann hat die Behörde die Fahrerlaubnis nach § 46 Abs. 1 der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) zu entziehen. Bei Konsum von harten Drogen wie Amphetamin und seinen Derivaten ist das regelmäßig der Fall.

Die Entscheidung der Behörde wird unabhängig vom Ausgang eines Strafverfahrens getroffen. Die Information über den Konsum von Betäubungsmitteln erhält sie automatisch von der Polizei.





Kommt es darauf an, wie oft und in welcher Menge Amphetamin konsumiert wurde?

14.03.2023

Nein, anders als bei Cannabis spielen Menge und Häufigkeit des Konsums bei Amphetamin und seinen Derivaten keine Rolle, weil sie als „harte Drogen“ gelten. Deshalb kann es selbst schon nach der Feststellung eines einzigen Amphetaminkonsums zum Entzug des Führerscheins kommen. Ein Mischkonsum mit anderen Betäubungsmitteln kann die Sperrfrist nach einem Führerscheinentzug weiter erhöhen.




Wie lange ist Amphetamin im Blut nachweisbar?

14.03.2023

Der Konsum von Amphetamin kann ungefähr einen Tag im Blut, bis zu vier Tage im Urin und mehrere Monate in den Haaren nachgewiesen werden. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit einer Überprüfung der Eignung zum Führen eines Kfz durch die Straßenverkehrsbehörde recht hoch, wenn die Polizei erst einmal auf den Konsum von Amphetamin aufmerksam geworden ist.




Womit muss man bei einer Drogenfahrt mit Amphetamin rechnen?

14.03.2023

Da schon der reine Amphetaminkonsum ohne Bezug zum Straßenverkehr zum Entzug der Fahrerlaubnis führt, ist die Wahrscheinlichkeit noch höher, wenn man beim Fahren unter Amphetamineinfluss angetroffen wurde. Es erfolgt ein Bußgeldverfahren mit einem Fahrverbot und ein Verwaltungsverfahren, in dem der Führerschein entzogen wird. Das Bußgeldverfahren setzt voraus, dass nur eine abstrakte („einfache“) Gefährdung des Straßenverkehrs durch den Amphetaminkonsum vorlag.


Verstoß Bußgeld Punkte Fahrverbot
1. Mal Drogen am Steuer 500,- Euro 2 1 Monat
2. Mal Drogen am Steuer 1.000,- Euro 2 3 Monat
3. Mal Drogen am Steuer 1.500,- Euro 2 3 Monat

Dagegen handelt es sich bei einer festgestellten Fahruntüchtigkeit nicht mehr um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um eine Straftat. In Betracht kommen § 316 (Trunkenheit im Verkehr: Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe) und § 315c StGB (Gefährdung des Straßenverkehrs: Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe). Selbst Ersttäter müssen vom Entzug der Fahrerlaubnis und einer ca. zwölfmonatigen Führerscheinsperre ausgehen.




Mit welcher Strafe muss man bei einem Unfall unter Einfluss von Amphetamin rechnen?

14.03.2023

Selbstverständlich erhöht sich die Strafe, wenn auch noch ein Unfall verursacht worden ist. Bei Ersttätern kann eine Geldstrafe von 60 bis 90 Tagessätzen erfolgen, die mit einer Führerscheinsperre von 15 bis 18 Monaten verbunden wird. Endete der Unfall tödlich, kommt sogar eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung (§ 222 StGB) in Betracht.




Wann wird die Fahrerlaubnis nach Amphetaminkonsum wiedererteilt?

14.03.2023

Die Fahrerlaubnis kann nach einer erfolgreichen Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU), dem sogenannten „Idiotentest“, wiedererworben werden. Die Zulassung erfolgt meist nach einer nachgewiesenen einjährigen Abstinenzphase. Eine MPU wird allerdings oft nicht gleich beim ersten Anlauf erfolgreich bestanden. Die Fahrerlaubnis kann aufgrund von Verjährungsfristen theoretisch nach 15 Jahren ohne Führerschein auch ohne MPU erworben werden, was in der Praxis aufgrund des langen Zeitraums kaum relevant ist.




Kann man eine MPU verweigern?

14.03.2023

Man ist zur Teilnahme an einer MPU nicht verpflichtet. Eine Verweigerung der Untersuchung bringt aber keinen Vorteil, weil die Straßenverkehrsbehörde nach der Fahrerlaubnisverordnung in diesem Fall automatisch vom Vorliegen der Nichteignung ausgehen darf.



Über den Autor
Dr. Matthias Brauer LL.M.

Rechtsanwalt und Fachanwalt Dr. Matthias Brauer ist Kanzleiinhaber und verfügt vor allem im Strafrecht und Verkehrsrecht über eine große Praxiserfahrung.

Standorte der Kanzlei Dr. Brauer Rechtsanwälte sind in Bonn, Frankfurt am Main, Dresden, Hamburg, Stuttgart, Nürnberg, München und Berlin. Von dort aus vertreten die Anwälte und Strafverteidiger Mandanten aus und in ganz Deutschland.


Fachanwalt f?r Strafrecht - Dr. Matthias Brauer LL.M.



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Wird bei Amphetaminkonsum der Führerschein entzogen? Zuletzt aktualisiert: 14.03.2023 von Dr. Matthias Brauer LL.M

11 Kommentare

  • Nana

    3. Juni 2023 - 11:35

    Ich war 2014 bei der Polizei eine Zeugenaussage machen, ich selber wurde aber auch angezeigt darauf hin wurde mir nach meiner Aussage gesagt das gegen mich ein Verfahren läuft,ein Beschluss vom Gericht wurde mir vorgelegt ich hatte eine Blutprobe gemacht ubd Haus und Auto wurden durchsucht es wurde nichts gefunden, im blut waren 0,6 ng amphitamine es war einmalig seit dem entzig des Führerscheins sind nun einige Jahre vergangen es war vor dieser Zeit nichts das ich Drogen konsumiert habe und danach auch nichts jetzt will ich den Führerschein wieder was erwartet mich jetzt wenn ich ihn beantrage? Danke im voraus

    • Dr. Matthias Brauer LL.M

      12. Juni 2023 - 15:18

      Vielen Dank für Ihre Frage! Auch wenn der BtM-Konsum schon länger zurückliegt, müssen Sie bei der erneuten Beantragung der Fahrerlaubnis leider mit einer Aufforderung zu einer MPU rechnen. Es gibt in diesen Fällen keine rechtlich festgelegte „Verjährungsfrist“.

      Viele Grüße!

  • Andi

    9. März 2023 - 9:13

    Hallo, wie kommt es, dass am Tag der Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft, die Führerscheinstelle bereits an eben diesem Tag das Schreiben zur Anhörung zur Entziehung der Fahrerlaubnis rausschickt. Beide Schreiben am selben Tag im Briefkasten sind. Poststempel Staatsanwaltschaft 03.02.23, Berabeitung durch die FS 03.02.23 beide im eingang am 07.02.23

  • Carsten D.

    2. Mai 2022 - 11:58

    Mir ist im Februar die fahrerlaubnis entzogen worden das ich eine mpu machen muss oder eine sperrfrist habe habe icv keine Information drüber bekommen!

    Nun ist das verfahren eingestellt worden was passiert nun wenn ich keine Information über sperrfrist oder mpu habe?

    • Dr. Brauer Rechtsanwälte

      2. Mai 2022 - 13:36

      Hallo Herr D.,

      das eingestellte Strafverfahren und das Verwaltungsverfahren der Fahrerlaubnisbehörde sind zwei unterschiedliche Verfahren. Die Verfahrenseinstellung ist vermutlich durch die Staatsanwaltschaft erfolgt?

      Viele Grüße
      Dr. Brauer Rechtsanwälte

      • Carsten D.

        6. Mai 2022 - 21:39

        Ja das verfahren wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt wie gehe ich nun am besten vor um meine fahrerlaubnis zurück zu bekommen habe nämlich keine Informationen bekommen ob ich eine mpu machen muss und habe auch keine sperrfrist auferlegt bekommen

        • Dr. Matthias Brauer LL.M

          9. Mai 2022 - 15:12

          Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir hier öffentlich keine Rechtsberatung am konkreten Fall erteilen können. Gerne können Sie unsere kostenlose Ersteinschätzung nutzen. Nehmen Sie einfach über Telefon, E-Mail, Kontaktformular oder WhatsApp Kontakt zu uns auf.

  • Cindy G.

    9. März 2022 - 16:06

    Guten Tag
    Mein Mann wurde im am zweiten Januar von der Polizei angehalten und es wurde ein Drogentests gemacht er hatte thc und Amphetamine im Blut jetzt haben wir Post bekommen.von der Staatsanwaltschaft das das Verfahren eingestellt wurde es steht nix von mpu oder sonst was da müssen wir damit rechnen da s er noch eine. Mpu machen muss ?

    • Dr. Brauer Rechtsanwälte

      9. März 2022 - 18:34

      Hallo Frau G.,

      ja, damit müssen Sie rechnen. Das Strafverfahren und das Verwaltungsverfahren zur MPU sind zwei unterschiedliche Dinge. Die Staatsanwaltschaft entscheidet nicht über die Anordnung einer MPU. Das ist allein Aufgabe der Fahrerlaubnisbehörde. Werden dieser Tatsachen bekannt, die darauf hinweisen, dass der Inhaber einer Fahrerlaubnis ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist, kann sie zur Klärung der Eignungszweifel eine MPU anordnen. Zum Thema MPU finden Sie in unserem Artikel MPU – Ein Fall für den Anwalt? weitere Informationen.

      Viele Grüße
      Dr. Brauer Rechtsanwälte

  • M. De F.

    1. Februar 2022 - 2:23

    Hallo Herr Brauer,

    Ich habe vor ca. 4 Jahren meinen Führerschein zurück bekommen nach 2 jahren in denen er weg war wegen Drogen am steuer. In diesen 2 Jahren musste ich eine mpu machen und ein einjähriges drogenabstinenz screening.
    Nun wurde ich vor ca. 2 Wochen erneut bei einer Kontrolle der Polizei überführt.. Wieder Drogen am Steuer.. Doch laut der Polizei droht mir jetzt nur ein einmonatiger fahrerlaubnis Entzug plus 500 Euro Bußgeld.. Mehr würde laut Aussage der Polizei nicht passieren.
    Meine Frage an Sie..
    Kann das so stimmen? Oder kommt erneut eine mpu und weiteres auf mich zu?

    • Dr. Brauer Rechtsanwälte

      1. Februar 2022 - 12:21

      Hallo Herr De F.,

      vielen Dank für Ihre Frage. Man muss hier zwei verschiedene Verfahren unterscheiden. Die 500 Euro Bußgeld und das Fahrverbot sind die Strafe im Ordnungswidrigkeitenverfahren. Aus der Sache ergibt sich jedoch parallel dazu verwaltungsrechtlich der Umstand, dass die Fahrerlaubnis wieder dauerhaft entzogen wird. Es handelt sich nur um ein gesondertes Verfahren, das von der Fahrerlaubnisbehörde durchgeführt wird. Insofern sind Ihre Befüchtungen leider berechtigt.

      Viele Grüße
      Dr. Brauer Rechtsanwälte

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